Superkondensatoren: Die Restladung per Büroklammer beseitigen

15. 07.2026 | E‑Blog, Pro­du­zie­ren

Superkondensatoren: Die Restladung per Büroklammer beseitigen

15.07.2026 | E‑Blog, Pro­du­zie­ren

Wenn Superkondensatoren mit einer Restladung ausgeliefert werden, entsteht in der EMS-Produktion ein Problem: Unter Umständen geben die Bauteile diese Energie schlagartig während der Verarbeitung ab – mit Risiken für andere Bauteile. Die Lösung von Kraus Hardware ist ebenso einfach wie kreativ.

Ob bei der Reku­per­a­tion eines Elek­tro­au­tos, in einer Wind­kraft­an­lage oder wäh­rend der Blitz­funk­tion beim Foto­gra­fie­ren – wenn Ener­gie inner­halb kür­zes­ter Zeit auf­ge­nom­men und bei Bedarf wie­der abge­ge­ben wer­den muss, sind Super­kon­den­sa­to­ren (als eine Art von Kurz­zeit­spei­cher) unver­zicht­bar. Aller­dings hat genau diese Funk­tion auch Ein­fluss auf die Hand­ha­bung der Bau­teile: Sie wer­den kurz­ge­schlos­sen trans­por­tiert und sind somit ent­la­den, damit bei der spä­te­ren Ver­ar­bei­tung keine Pro­bleme auf­tre­ten. Zumeist kommt dabei eine Alu­mi­ni­um­fo­lie zum Einsatz.

Kleine Rest­span­nung, große Wirkung

Kann den­noch eine Rest­la­dung vor­han­den sein, wenn man die Bau­teile aus der Ver­pa­ckung ent­nimmt? Die Ant­wort ist ein ent­schie­de­nes „Ja“. Schließ­lich geht mit­un­ter der Kon­takt zur ange­spro­che­nen Kurz­schluss­fo­lie ver­lo­ren. Außer­dem ist eine Span­nungs­er­ho­lung infolge der dielek­tri­sche Absorp­tion (mehr dazu hier) jeder­zeit denk­bar. Und genau diese Aus­gangs­lage sorgte bei Kraus Hard­ware für Pro­bleme, wie Andreas Kraus, Gesell­schaf­ter von Kraus Hard­ware bestä­tigt: „Aktu­ell haben wir meh­rere Super­kon­den­sa­to­ren auf einer Lei­ter­platte ver­ar­bei­tet, die in einem Ener­gie­spei­cher zum Ein­satz kommt. Wäh­rend des Selek­tiv­lö­tens ent­lud sich über­ra­schen­der­weise eine erheb­li­che Rest­la­dung, was wie­derum zu einer Über­hit­zung an der Lei­ter­bahn und einer dar­aus resul­tie­ren­den Ver­fär­bung am Löt­stopp­lack führte.“ (Mehr zu den Ursa­chen die­ses Effek­tes im Infokasten.)

Ein­fa­che Lösung

Das Ziel von Kraus Hard­ware war es des­halb, die Rest­la­dung unmit­tel­bar vor dem Löten zuver­läs­sig abzu­bauen – ohne dabei den Fer­ti­gungs­ab­lauf zu verkomplizieren:

  • Mit Hilfe von Büro­klam­mern wur­den die Anschlüsse jedes Super­kon­den­sa­tors kurzgeschlossen.
  • Wäh­rend der Ent­la­dung flos­sen kurz­fris­tig hohe Ströme, wes­halb sich die Büro­klam­mern erwärm­ten. Der Arbeits­schritt wurde des­halb zügig und beson­ders vor­sich­tig durchgeführt.
  • Erst kurz vor der wei­te­ren Ver­ar­bei­tung wur­den die Büro­klam­mern wie­der entfernt.

„Das Bei­spiel zeigt recht gut unsere Arbeits­weise, denn wir ana­ly­sie­ren auf­tre­tende tech­ni­sche Pro­bleme gründ­lich und ent­wi­ckeln pass­ge­naue Lösun­gen“, fasst Andreas Kraus zusam­men. „Viele Her­aus­for­de­run­gen in der Elek­tronik­fer­ti­gung ent­ste­hen durch das Zusam­men­spiel phy­si­ka­li­scher Effekte und ein­zel­ner Pro­zess­schritte. Und genau an die­ser Stelle punk­tet unser Erfah­rungs­wis­sen. Am Ende pro­fi­tie­ren die Kun­den von Tempo und Qua­li­tät. Das ist unser Anspruch.“

Kondensator mit Restladung: Was passiert beim Löten?
  • Wäh­rend des Selek­tiv­lö­tens ver­bin­det das flüs­sige Lot (für kurze Zeit) leit­fä­hige Berei­che miteinander.
  • Es ent­steht ein nie­der­oh­mi­ger Strompfad.
  • Die Rest­ener­gie der Super­kon­den­sa­to­ren ent­lädt sich inner­halb kür­zes­ter Zeit und es flie­ßen hohe Strom­im­pulse, was die Lei­ter­bah­nen lokal erwärmt.
  • Das Ergeb­nis sind sicht­bare Ver­fär­bun­gen des Lötstoplacks.

Übri­gens: Es genügte nicht, dass die Anschluss­drähte der Super­kon­den­sa­to­ren – vor ihrer Ver­ar­bei­tung – bei Kraus Hard­ware gekürzt wur­den. Der dabei ent­ste­hende Kurz­schluss dau­erte nur kurz und besei­tigte die Rest­la­dung nicht.

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