Reballing von BGAs, LGAs und Co.: Maximale Präzision auf minimaler Fläche

11. 11.2025 | E‑Blog, Rei­ni­gen, Rewor­ken

Reballing von BGAs, LGAs und Co.: Maximale Präzision auf minimaler Fläche

11.11.2025 | E‑Blog, Rei­ni­gen, Rewor­ken

Kleine Kugeln – große Herausforderung: Das Reballing von Bauteilen stellt eine besondere Herausforderung im Rework dar, denn nur ein abgesicherter Gesamtprozess – vom Restlot entfernen bis zur abschließenden Kontrolle – garantiert perfekte elektrische Verbindungen. Hierbei punktet einerseits das Erfahrungswissen von Kraus Hardware. Andererseits arbeitet das Unternehmen im Rahmen von Forschungskooperationen wie „Infinite“ an neuen Prozessen, die das Verfahren weiter verbessern.

Wie kom­plex ein Rebal­ling-Pro­zess ist, zeigt sich bereits auf den ers­ten Blick: Grö­ßere BGAs ver­fü­gen mit­un­ter über meh­rere tau­send win­zige Lot­per­len auf ihrer Unter­seite, die für das nötige Lot­de­pot sor­gen. Das Ganze gleicht einem hoch­prä­zi­sen Ras­ter, wobei sich Kugel-Durch­mes­ser-Abstand und ‑Anord­nung je nach Bau­teil unter­schei­den. Mini­male Werte zwi­schen rund 0,25 und 0,75 Mil­li­me­tern sind hier­bei die Regel. Dazu zwei Bei­spiele aus der Arbeit von Kraus Hardware:

  • Der Typ TCAL6408DTU von Texas Instru­ments misst gerade ein­mal 1,6 x 1,6 mm². Sein Ball-Durch­mes­ser beträgt 0,25 mm bei einem Pitch von nur 0,4 mm.
  • Beim Xilinx VSVA3340 VP1702 mit rund 3.200 Balls liegt der Pitch bei 0,92 mm und der Kugel­durch­mes­ser bei 0,64 mm.

Gründe für das Rebal­ling
Aber in wel­chen Anwen­dungs­be­rei­chen wird eine sol­che Kugel­struk­tur auf der Unter­seite der BGAs oder LGAs über­haupt neu auf­ge­bracht – das Ganze also „reballt“ vor dem anschlie­ßen­den Ver­lö­ten? „Es gibt eine ganze Reihe von Anwen­dun­gen“, ant­wor­tet Andreas Kraus, Gesell­schaf­ter von Kraus Hard­ware. „Wir ver­wen­den das Ver­fah­ren etwa beim Umle­gie­ren von RoHS- auf non-RoHS-Mate­ria­lien, beim Refur­bish von Bau­tei­len oder beim Kreuz­tausch im Rah­men einer Feh­ler­su­che.“ Und: Auch bei der Besei­ti­gung von all­ge­mei­nen Fer­ti­gungs­feh­lern, dem Nach­be­stü­cken von Bau­tei­len oder dem Ein­set­zen von Risern sowie Inter­po­sern (bspw. zum Mes­sen von Signa­len) spielt das Rebal­ling eine zen­trale Rolle.

Der dazu­ge­hö­rige Pro­zess ist in jedem Fall eine Auf­gabe für Spe­zia­lis­ten, denn ohne mikro­me­ter-genaue Prä­zi­sion dro­hen feh­ler­hafte Ver­bin­dun­gen. Kraus Hard­ware setzt in die­sem Zusam­men­hang auf die Stan­dards IPC-7711 oder IPC-7721, die den Ablauf defi­nie­ren:
1. Lei­ter­platte mit Bau­teil trock­nen: Viele Bau­teile und Lei­ter­plat­ten sind feuch­tig­keits­emp­find­lich. Des­halb wer­den alle Kom­po­nen­ten gemäß J‑STD-033 getrock­net – zwi­schen 2 und 72 Stun­den lang bei 120 Grad.
2. Bau­teil ablö­ten: Der gesamte Pro­zess erfolgt maschi­nell mit­hilfe der Anlage ONYX 29 von ZEVAC. Dabei erfol­gen zum Bei­spiel auch Tem­pe­ra­tur­mes­sun­gen und eine visu­elle Kon­trolle per Live­bild. Hit­ze­emp­find­li­che Bau­teile im Umkreis wer­den abge­deckt, geschützt oder sogar ent­fernt.
3. Rest­lot absau­gen: Die Absaug­düse der Maschine fährt über das Bau­teil mit einem Abstand von 0,5 bis 1,0 Mil­li­me­tern ab. Das Ganze ist also berüh­rungs­los, wes­halb Beschä­di­gun­gen an dem Bau­teil ver­mie­den wer­den.
4. Rebal­ling: Eine indi­vi­du­elle Scha­blone sorgt dafür, dass sich die win­zi­gen Lot­kü­gel­chen an der rich­ti­gen Posi­tion auf dem BGA befin­den. Anschlie­ßend wird der Chip inklu­sive Sieb auf­ge­heizt. Auf diese Weise schmel­zen die Lot­ku­geln auf und bil­den eine Ver­bin­dung mit dem Bauteil.

Je klei­ner die Kugel, desto grö­ßer die Her­aus­for­de­rung
Spe­zi­ell der eigent­li­che Rebal­ling-Pro­zess pro­fi­tiert in ent­schei­den­der Weise von Erfah­rungs­wis­sen, denn Exper­ten von Kraus Hard­ware müs­sen das Lay­out des Bau­teils bewer­ten: Wel­che Größe und Posi­tio­nie­rung haben die Balls und was für pro­zess­spe­zi­fi­sche Para­me­ter kom­men beim Rebal­ling zum Tra­gen? „Auf die­ser Basis erstel­len wir eine neue Scha­blone“, so Andreas Kraus. „In jedem Fall liegt die Her­aus­for­de­rung beim Rebal­ling nicht allein in der Anzahl der Kugeln, son­dern auch in deren exak­ter Geo­me­trie und Auf­bau. Beson­ders sehr kleine Kugeln und Gehäu­se­bau­for­men stel­len hohe Anfor­de­run­gen an Hand­ling und Prozesssicherheit.“

Im Fokus von For­schungs­ko­ope­ra­tio­nen
Inter­es­san­ter­weise arbei­tet das Unter­neh­men auch und gerade in die­sem The­men­feld an geziel­ten Opti­mie­run­gen. Das betrifft zum einen die Frage, wie sich die Qua­li­tät des Rebal­ling absi­chern lässt. Hier könnte zukünf­tig die 3D-Tech­no­lo­gie eine fun­dierte Ant­wort lie­fern: Aktu­ell tes­ten Spe­zia­lis­ten von Kraus Hard­ware, wie man die AOI (Auto­ma­ti­sche Opti­sche Inspek­tion) bei der Ball-Inspek­tion zum Ein­satz brin­gen kann (mehr dazu hier). Mehr als 13.000 Balls wer­den dazu in einem ein­zi­gen AOI-Prüf­ab­lauf untersucht.

„Im Übri­gen arbei­ten wir an alter­na­ti­ven Metho­den zum Rei­ni­gen der Bau­teile im Rah­men des For­schungs­pro­jek­tes Infi­nite, das vom Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Ener­gie geför­dert wird und an dem sich fünf Unter­neh­men sowie ein Fraun­ho­fer Insti­tut betei­li­gen“, fasst Andreas Kraus zusam­men (mehr dazu unter einem Foto auf die­ser Seite sowie hier). „In jedem Fall garan­tie­ren wir unse­ren Kun­den, dass wir hoch­an­spruchs­volle Pro­zesse wie das Rebal­ling auf einem hohen Niveau aus­füh­ren. Der Pro­zess erfolgt dazu kom­plett in-house – inklu­sive der Her­stel­lung von Sie­ben mit einer CNC-Maschine. Am Ende ste­hen per­fekt auf­be­rei­tete BGAs, die bereit sind für den nächs­ten Ein­satz in der Produktion.“

Die Siebe zum Posi­tio­nie­ren der Balls wer­den bei Kraus Hard­ware inhouse gefertigt.

Die Balls bil­den ein hoch­prä­zi­ses Netzwerk.

Die­ses BGA hat eine Abmes­sung von nur 1,6 mal 1,6 Millimetern.

Nach dem Rebal­ling erfolgt ein Reinigungsprozess.

Die Nut­zungs­dauer von Elek­tro­nik deut­lich ver­län­gern – die­ses Nach­hal­tig­keits­ziel steht im Zen­trum des For­schungs­pro­jek­tes „Infi­nite”, an dem sich neben Kraus Hard­ware auch das Fraun­ho­fer-Insti­tut für Kera­mi­sche Tech­no­lo­gien und Sys­teme IKTS sowie die Unter­neh­men arxes-engi­nee­ring GmbH, AUCOTEAM GmbH, dres­den elek­tro­nik inge­nieur­tech­nik gmbh und Voss­loh Rail Inspec­tion betei­li­gen. Geför­dert wird das Ganze durch das Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Ener­gie unter der Koor­di­na­tion von Pro­jekt­trä­ger Jülich (PtJ). Mehr dazu hier.

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